Gabelstapler kreisen, Scanner piepen – doch manchmal fehlen die Worte. Im Logistikzentrum von Pistor in Rothenburg hat ein betriebsinterner Deutschkurs in Zusammenarbeit mit dem SAH Zentralschweiz mehr bewirkt als nur besseres Vokabular: Offenheit, Selbstvertrauen und neue Perspektiven sind entstanden.

Wer das Warenumschlagszentrum bei Pistor betritt, droht sich schnell in den endlosen Regalreihen voller Paletten zu verirren. Die Chance ist gross, dass hier der lächelnde Carlos Teixeira auf seinem Gabelstapler herangerauscht kommt, freundlich grüsst und einem weiterhilft. So wie es hier das gesamte Team tun würde: Man macht Spässe, hilft einander und kennt die Abläufe. Der Teamgeist ist spürbar – und unabdingbar für das Funktionieren dieser gut eingespielten Logistikabteilung. Das setzt mehr als nur Arbeitskleidung und moderne Technik voraus: Es braucht Sprache – und das Verständnis dafür. In einer sich verändernden Belegschaft, die aus unterschiedlichen Kulturen und einer Vielzahl an Sprachniveaus besteht, stellt dies jedoch eine wachsende Herausforderung dar. Carlos erzählt selbst, wie schwer es ihm manchmal fällt, andere zu verstehen. Sinnbildlich hierfür erinnert er sich z.B. daran, wie er einmal viel Zeit dafür aufwandte, vergeblich nach einer Palette mit Kirschen zu suchen, wo doch eigentlich eine Palette mit Kisten gemeint gewesen war. Früher traute er sich in solchen Situationen nicht nachzufragen, heute jedoch schon. Und das kommt nicht von ungefähr: «Bei Pistor», so Matthias Fritschy, der Abteilungsleiter Logistik, «erkannte man nämlich breiten Handlungsbedarf.» Man beschloss, einen auf die eigenen Bedürfnisse massgeschneiderten Deutschkurs als Pilotprojekt anzubieten. Der Kurs sollte dabei niederschwellig durchgeführt werden: Freiwillig, vor Ort, während der Arbeitszeit und mit bekannten Gesichtern aus dem Arbeitsumfeld.

Mehr als Grammatik und Vokabular

Wer bei Deutschkurs an Frontalunterricht denkt, liegt hier falsch. Der sichtbar stolze Teilnehmer schwärmt nämlich davon, wie abwechslungsreich und interaktiv die Lektionen gestaltet wurden. Zwar lag der Fokus auf dem gemeinsamen Erarbeiten ausgesuchter interner Formulare und Merkblätter, doch wiederkehrende Gruppenarbeiten mit Rollenspielen aus dem Arbeitsalltag sorgten für die nötige Auflockerung des Unterrichts. In diesen konnten auch die sprachlich Schwächsten aktiv eingebunden und unterstützt werden – was in einer Gruppe mit stark unterschiedlichen Sprachniveaus nicht einfach ist. Den prägendsten Eindruck hinterliess beim gebürtigen Portugiesen klar das Online-Quiz, bei dem die neuen Kenntnisse der Teilnehmenden gezielt abgefragt wurden. Es lieferte ihm den emotionalen Ansporn, sich stetig weiter zu verbessern: «Ich wurde nur Vierter. Nächstes Mal will ich besser sein!» Hier liegt eine Stärke dieser internen Kurse. Über die Sprache hinaus bauen sie den Mut und die Motivation auf, Unklarheiten einzugestehen und aus Fehlern zu lernen.

Sprachförderung mit nachhaltiger Wirkung

Die positiven Dynamiken im Einzelnen wie auch in der Gruppe beeindrucken den Abteilungsleiter: «Grundsätzlich war es für mich ein voller Erfolg. Wir hatten zwölf Teilnehmer mit einem guten Groove. Wir bekamen viele positive Rückmeldungen von den Leuten selbst.» Generell habe sich seit dem Kurs eine Offenheit in den Teams etabliert. Er hebt noch einen zusätzlichen Vorteil für den Betrieb hervor: In vielen Lebensläufen steckt mehr, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Bildung, Erfahrung und Fachwissen schlummern hinter Sprachbarrieren. Dieses Potential kann jetzt besser erschlossen und die Mitarbeitenden damit vielfältiger eingesetzt werden. Das stärkt zudem die Verbindung zur Firma – und motiviert zum Dableiben. Der Vorgesetzte betont abschliessend auch eine gesellschaftliche Verantwortung: «Jeder, der einen Job hat, der keine Sozialhilfe bezieht, jeder, der sich eine sichere Existenz aufbauen kann, der sich hier integrieren kann, hilft uns schlussendlich.» Dieses Interesse teilt der Bund: Mit der Kampagne «Einfach besser! … am Arbeitsplatz» fördert er gezielt die Verbesserung der Grundkompetenzen in Unternehmen. Bei erfolgreicher Annahme eines Fördergesuchs – wie im Falle Pistors – ist mit einer Subventionierung vonseiten des Bundes zu rechnen. Das Know-how und die Flexibilität des SAH Zentralschweiz haben anschliessend zum Erfolg des Kurses beigetragen.

Pistor wünscht sich von seinen Mitarbeitenden, dass betriebsintern Deutsch gesprochen wird. Letztlich liegt es aber auch in der Eigenverantwortung der Teilnehmenden, das Gelernte in die Tat umzusetzen. Zum Schluss fragt Carlos jedenfalls voller Selbstvertrauen und mit einem Lachen: «Wann ist der nächste Fototermin?»

Zusammengefasst: Ein Kurs, viele Wirkungen

Für die Mitarbeitenden:

  • Mehr Sicherheit im Arbeitsalltag
  • Besseres Verstehen und Mitreden
  • Mut zum Nachfragen und Weiterlernen

Für das Unternehmen:

  • Verbesserte Kommunikation im Team
  • Flexibler einsetzbare Mitarbeitende
  • Stärkere Bindung ans Unternehmen

Für die Gesellschaft:

  • Teilhabe durch Sprache
  • Chancengleichheit im Alltag
  • Abbau von Integrationshürden

Lesen Sie hier auch den Erfahrungsbericht unserer Kursleiterin Nadine Mathis.

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