Beim SAH Zentralschweiz arbeiten Menschen, die ihr Wissen mit viel Engagement für andere einsetzen. Einer von ihnen ist Joshua Sugden. Der Job Coach begleitet Teilnehmende auf ihrem Weg zurück in den allgemeinen Arbeitsmarkt und studiert gleichzeitig an der HSLU Wirtschaftspsychologie. Im Interview erzählt er, wie Studium und Praxis sich gegenseitig stärken und welche Bedeutung seine Arbeit für das SAH und für die Teilnehmenden hat.

 

  1. Wer bist du und was hat dich zum SAH Zentralschweiz geführt?

Ich heisse Joshua Sugden und bin 32 Jahre alt. Meine berufliche Laufbahn hat mit einer Lehre als Polymechaniker begonnen. Nach einigen Jahren habe ich gemerkt, dass mich der Mensch mehr interessiert als die Maschine. Also entschied ich mich, Psychologie zu studieren und mich beruflich neu zu orientieren. Seit rund dreieinhalb Jahren arbeite ich nun in der Arbeitsintegration. Als ich nach Luzern gezogen bin, wurde ich schnell auf das SAH Zentralschweiz aufmerksam. Seine Werte haben mich sofort angesprochen und so begleite ich seit Mai letzten Jahres als Job Coach Menschen in der beruflichen Wiedereingliederung.

 

  1. Wie sieht dein Arbeitsalltag beim SAH aus?

Mein Arbeitsalltag ist sehr abwechslungsreich, denn jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte und Herausforderungen mit. Ich führe Gespräche, um die Ziele und Fähigkeiten der Teilnehmenden zu klären, und suche danach passende Einsatzplätze in Firmen, damit sie wieder Fuss im allgemeinen Arbeitsmarkt fassen können. Wenn jemand im Einsatz ist, begleite ich den Prozess weiterhin mit Coachings und Gesprächen, damit es für beide Seiten gut funktioniert.

 

  1. Du studierst berufsbegleitend Wirtschaftspsychologie an der HSLU. Was lernst du in diesem Studiengang?

Ich lerne sehr viel über menschliches Verhalten im Arbeitskontext und darüber, wie Veränderungen in Organisationen gestaltet werden können. Besonders spannend finde ich Module wie «Behaviour Change» oder «Human Centered Design», die sich damit befassen, wie man Veränderungsprozesse so gestaltet, dass die Menschen sie mittragen können.
Neben den psychologischen Themen gibt es auch wirtschaftliche Module und sogar Bereiche aus dem Data Science. Diese Kombination ist sehr zukunftsorientiert, weil sie zeigt, wie eng Menschen, Wirtschaft und Technologie miteinander verbunden sind.

 

  1. Wie lässt sich das Gelernte mit deiner Tätigkeit beim SAH verknüpfen? Und umgekehrt: Was aus der Praxis fliesst in dein Studium mit ein?

Ich lerne viel darüber, wie Menschen Entscheidungen treffen, was sie motiviert und wie Veränderungsprozesse funktionieren. Als Job Coach begleite ich Menschen in beruflichen Übergangsphasen, und genau da kann ich dieses Wissen direkt anwenden. Es geht darum, Motivation aufzubauen, Rückschläge zu verarbeiten und Veränderungen als Chance zu sehen.
Umgekehrt sehe ich, wie theoretische Konzepte wie Resilienz, Selbstwirksamkeit oder Veränderungsbereitschaft in der Praxis tatsächlich wirken. Das hilft mir, das Gelernte besser einzuordnen und mit echten Situationen zu verbinden.

«Besonders motivierend ist, dass unsere Arbeit einen direkten gesellschaftlichen Nutzen hat und gleichzeitig viel Gestaltungsspielraum bietet.»

Josh Sugden Job Coach beim SAH Zentralschweiz
  1. Wo siehst du die Vorteile darin, berufsbegleitend zu studieren? Wo stösst du an deine Grenzen?

Es ist dann sinnvoll, wenn man in einem Beruf arbeitet, der thematisch mit dem Studium zusammenhängt. So kann ich das Gelernte direkt anwenden und es bleibt nicht nur theoretisch. Gleichzeitig ist es für mich auch eine finanzielle Entscheidung, da ich mir ein Vollzeitstudium gar nicht leisten könnte.
Das SAH unterstützt mich dabei sehr. Ich kann meine Arbeitszeit flexibel einteilen und habe an den Studientagen frei. Zudem leistet das SAH einen finanziellen Beitrag zu meinen Semestergebühren.

 

  1. Welche Begegnung oder Erfahrung ist dir bei deiner Arbeit besonders in Erinnerung geblieben – und warum?

Speziell in Erinnerung geblieben ist mir eine Teilnehmerin, die zu Beginn sehr skeptisch gegenüber unserem Programm und dem Einsatzplatz war. Mittlerweile ist sie im Einsatz, findet es grossartig und ist sehr dankbar für die Chance. Vielleicht kann sie nach dem Einsatz sogar in der Firma bleiben. Solche Erfahrungen bestätigen mich in meiner Arbeit und motivieren mich immer wieder aufs Neue.

 

  1. Was hebt für dich die Arbeit beim SAH Zentralschweiz hervor – gerade im Bereich Arbeitsintegration?

Ich schätze das engagierte Team, das über viel Wissen und Expertise verfügt, sowie die Offenheit für neue Ideen und innovative Ansätze. Es ist sehr motivierend, dass unsere Arbeit einen direkten gesellschaftlichen Nutzen hat und man gleichzeitig viel Entscheidungsfreiheit hat, und Verantwortung übernehmen darf – eine bereichernde Kombination aus Sinnstiftung, Gestaltungsspielraum und fachlicher Zusammenarbeit.

 

  1. Ein Blick in die Zukunft: Was wünschst du dir für die Arbeitsintegration in der Schweiz – und für deine eigene Entwicklung in diesem Bereich?

Ich wünsche mir, dass die Arbeitsintegration wieder persönlicher wird. Denn leider entwickelt sich einiges ins Gegenteil, vor allem im Bewerbungsprozess. Viele Firmen setzen heute auf automatisierte Systeme und künstliche Intelligenz, um Bewerbende zu filtern. Dadurch wird es sowohl für mich als auch für die Arbeitssuchenden schwieriger, direkt mit Menschen in Kontakt zu kommen und einen persönlichen Eindruck zu hinterlassen.
Ich fände es schön, wenn mehr Unternehmen bereit wären, Menschen eine Chance zu geben, auch wenn sie nicht zu hundert Prozent ins Anforderungsprofil passen. Viele haben grosses Potenzial, das oft unentdeckt bleibt, weil ihnen niemand die Gelegenheit gibt, es zu zeigen.

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