Seit Kurzem gibt es im Kanton Zug den SAH WorkSkill Hub. Das neue Angebot des SAH Zentralschweiz richtet sich an stellensuchende Fachkräfte, die ihre beruflichen Perspektiven klären, ihre Bewerbung stärken und sich gezielt auf die Anforderungen des heutigen Arbeitsmarkts vorbereiten möchten.

 

Das Programm verbindet Bildungsmodule, Coachings und praktische Arbeitseinsätze. Christian Vermeulen gehörte zu den ersten Teilnehmenden. Im Interview erzählt er, wie er die zwölf Wochen erlebt hat.

 

  1. Christian, du hattest kürzlich deinen letzten Tag im SAH WorkSkill Hub. Mit welchem Gefühl blickst du auf die vergangenen zwölf Wochen zurück?

 

Ganz ehrlich, am Anfang hatte ich ein mulmiges Gefühl – «noch ein weiteres staatlich finanziertes Programm». Ich wurde jedoch überrascht und im Einführungsprogramm sehr offen und empathisch empfangen. Das hat mich angefeuert mitzumachen. Es fühlte sich alles sehr unverbindlich an, und trotzdem hatte man eine gute Struktur, die einem einen soliden Tagesrhythmus gab – worum ich ehrlich gesagt sehr froh bin. Es wurde auf mich eingegangen als Person und nicht nur als «Person Arbeitslos XY». Das hat mich motiviert, auch von meiner Seite Inputs und Wissen mitzuteilen.

Aus diesem Start konnte eine gute Gruppendynamik aufgebaut werden, die ich als sehr wertvoll empfunden habe. Bewerbungen wurden von Coaches und von den anderen Teilnehmenden angeschaut, Gruppendiskussionen, Ausflüge, gemeinsames Feiern und das Umsetzen gemeinsamer Projekte waren tatsächlich einige der schönsten Erfahrungen, die ich in dieser kurzen Zeit machen durfte. Die Menschen in dieser Gruppe waren alle so verschieden – von Charakter, Herkunft, von der Berufsgattung – und trotzdem konnten sie sich gut miteinander verstehen, weil sie alle in derselben Situation steckten und einen Weg heraus finden wollten. Das fand ich schön und interessant zugleich.

 

  1. Wie bist du zum SAH WorkSkill Hub gekommen, und in welcher beruflichen Situation warst du beim Start?

 

Als ich bei meinem letzten Betrieb durch eine interne Umstrukturierung leider entlassen wurde, wurde mir zwar angeboten, in die Niederlande zum Mutterkonzern zu wechseln, aber ich wusste: die Schweiz würde mir zu sehr fehlen. Ich hatte das Gefühl, dass sie mit meiner Arbeit zufrieden waren – und ich selbst war es auch, zumal ich meine eigene Stelle durch konsequente Effizienzsteigerung quasi selbst abgeschafft hatte.
Seit beinahe einem Jahr bin ich auf der Suche nach einer neuen Stelle. Die Marktlage ist aktuell schwierig, und die Konkurrenz wird nicht kleiner. Man muss sich ins Zeug legen, um eine Stelle zu bekommen – vor allem im Raum Zürich und Zug, der auch international ein sehr begehrtes Pflaster ist. In dieser Zeit übernahm ich die Verwaltung von Familienimmobilien und bildete mich parallel weiter, was mir neue Einblicke ins Facility Management gab. So bin ich über verschiedene Kurse beim RAV schliesslich ans SAH gelangt.

 

  1. Wie sah eine typische Woche im Angebot für dich aus? Was gehörte im Programm konkret dazu?

Montags und mittwochs konnten wir jeweils mit unserer Coachin neue Themen angehen, wobei meist auf die Wünsche der Teilnehmenden eingegangen wurde. Viele wollten beispielsweise mehr über KI wissen – das wurde sogleich in den Lehrplan aufgenommen, und Leute, die sich damit auskannten, meldeten sich freiwillig, etwas darüber zu erzählen. Es gab offene Diskussionen und Gespräche.
Dienstags und donnerstags lief das Programm als strukturierter Arbeitseinsatz: Es wurden verschiedene Aufgaben verteilt, wir durften selbst auswählen, was wir übernehmen wollten – um den Arbeitsalltag zu simulieren. Ich durfte beispielsweise Räume nach meinem Healthy-Home-Konzept neu gestalten, das die Förderung von gesunden Arbeitsräumen und Wohnlandschaften beinhaltet. Also stellte ich mein Konzept vor und wir setzten gemeinsam erste Massnahmen um.

 

  1. Du hast im Rahmen des Programms eine Präsentation zum Thema «Healthy Room Systems» gehalten. Welche Rolle spielte diese im WorkSkill Hub? Was hast du dabei über dich selbst gelernt?

Durch meine berufliche Vergangenheit als medizinischer Praxisassistent und meinen Werdegang als Facility Manager ist in mir ein grosses Interesse an der Kombination von Gesundheit und Raumgestaltung entstanden. Ich bin der Meinung, dass zu wenig Gewicht auf die Gesundheit von Mitarbeitenden im Büroalltag gelegt wird. Viele kennen schlechte Luft, die erdrückende Hitze im Sommer, und oft sieht man Leute im Winter mit Jacke am Schreibtisch sitzen. Manche leiden zudem unter Rücken- und Nackenschmerzen. Und die Lautstärke, grelles Licht oder der hektische Alltag führen zu chronischem Stress. Kein Wunder also, dass viele Menschen lieber im Homeoffice arbeiten als eingepfercht in einer Arbeitszelle.
Aber anstatt mich zu beschweren, wollte ich eine Lösung erarbeiten. Ich habe mich deshalb mit Experten aus dem Bau, dem Gesundheitswesen und dem pädagogischen Bereich ausgetauscht und ein Konzept für gesündere und psychologisch ansprechendere Räume entwickelt. Das Ziel: mit verhältnismässig einfachen Mitteln Menschen aus der Isolation des Homeoffice wieder ins gemeinsame Arbeitsleben zurückführen.
Genau das wollte ich in meiner Präsentation weitergeben. Ich habe dabei gemerkt, dass sich viele noch gar keine Gedanken darüber gemacht hatten, welchen Umgebungseinflüssen sie täglich ausgesetzt sind. Durch den Kurs konnte ich meine Ideen zu einer echten Leidenschaft wachsen lassen. Es hat mir bestätigt, dass das Konzept Substanz hat, dass ich auf dem richtigen Weg bin – und dass ich in der Lage bin, es überzeugend zu vermitteln.

Aus einem «Ich muss eine Stelle finden» wurde ein «Ich möchte eine Stelle, die zu mir passt». Das klingt banal, ist aber ein riesiger Unterschied – denn er macht das Auftreten im Bewerbungsgespräch authentischer und die Bewerbungsschreiben werden persönlicher.

Christian Vermeulen Ehemaliger Teilnehmer
  1. Neben Bildungsmodulen und Coachings gehören auch praktische Arbeitseinsätze zum Programm. Welche Aufgaben oder Einsätze hast du übernommen – und was war daran für dich besonders wertvoll?

Einer meiner Einsätze war ein Besuch bei einem Gärtner – den ich selbst angefragt hatte. Das war einerseits eine willkommene Abwechslung zum Büroalltag, andererseits war die körperliche Arbeit an der frischen Luft genau das, was mir in dieser Phase guttat.
Ich durfte unter anderem einen autonomen Rasenmäher installieren und konnte mich gleichzeitig intensiver mit verschiedenen Pflanzenarten auseinandersetzen – konkret damit, welche Pflanzen sich tatsächlich für Büroräume eignen und echten Mehrwert bringen. Diese Erfahrung hat mein Healthy-Home-Konzept direkt bereichert und mir gezeigt, dass Praxis und Theorie bei mir am besten Hand in Hand gehen.

 

  1. Was hat sich durch den WorkSkill Hub konkret an deiner Bewerbung verändert – etwa bei den Unterlagen, dem Online-Profil oder deinem Auftreten?

Vor allem mein LinkedIn-Profil war vorher zu technisch und zu wenig auf den Menschen ausgerichtet, der dahintersteckt. Das wurde im Coaching konkret überarbeitet – nicht nur sprachlich, sondern auch strategisch: Für wen schreibe ich das? Was soll jemand nach dreissig Sekunden über mich wissen? Diese Fragen hatten mir vorher gefehlt.
Auch bei den Bewerbungsunterlagen wurde mir bewusst, dass ich zu viel erklärte und zu wenig zeigte – und dass man sich vorher überlegen muss, wer dieses Schreiben bekommt und wer es durchliest. Das Feedback aus der Gruppe war dabei oft ehrlicher als jenes aus einem professionellen Coaching, weil es aus der Perspektive gleichgesinnter Menschen kam.
Beim Auftreten habe ich gemerkt, dass ich in Präsentationen ruhiger und überzeugender bin, wenn ich das Thema wirklich kenne – und dass man deshalb in einem Bewerbungsgespräch klar wissen sollte, was man kann und was man will.

 

  1. Wie hast du die persönliche Begleitung durch das SAH Zentralschweiz erlebt? Gab es ein Feedback oder Gespräch, das dir besonders geholfen hat?

Anfangs drehte sich vieles darum, meine Bewerbungsunterlagen zu besprechen, später dann um die Aussenwahrnehmung auf LinkedIn. Ich nutzte die Angebote und Gespräche so intensiv wie möglich, um meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.
Besonders in Erinnerung blieb mir ein Gespräch, in dem ich mein Healthy-Home-Konzept gemeinsam mit der Coachin vertiefen konnte. Wir führten ein konstruktives Gespräch darüber, wie ich mich mit meiner Idee bei Unternehmen positionieren und worauf ich dabei achten sollte. Dieses Gespräch hat mir geholfen, meinen Fokus zu schärfen – sowohl für die Jobsuche als auch für meine eigene Unternehmensidee.

 

  1. Was nimmst du aus dem WorkSkill Hub mit – und welche nächsten beruflichen Schritte stehen nun für dich an?

Ich werde meinen Weg weiter gehen – mit Bewerbungen, mit meinem Konzept und mit dem Wissen, das ich in den letzten drei Monaten über mich selbst gesammelt habe. Ich gehe davon aus, dass im Sommer wieder mehr Stellen ausgeschrieben werden, und bin zuversichtlich, dass die richtige Stelle kommt – für jemanden, der nicht nur einen Facility Manager sucht, sondern jemanden, der mitdenkt, mitgestaltet und ein echtes Interesse daran hat, dass Räume und Menschen besser zusammenpassen. Bis dahin will ich Experte auf meinem Gebiet werden und halte mich fit für das nächste Abenteuer.

 

  1. Wenn du jemandem in einer ähnlichen Situation erklären müsstest, für wen das Angebot geeignet ist: Was würdest du sagen?

Falls jemand denkt – so wie ich zu Beginn –, warum werde ich nun zu einem solchen Kurs gezwungen: Dieser Kurs ermöglicht es einem, nicht nur schnellstmöglich eine Stelle zu finden, sondern sich selbst und seine Ziele nochmals zu reflektieren. Wie tief man dabei gehen möchte und ob man das in der Gruppe besprechen will, bleibt einem selbst überlassen. Der Schlüssel ist jedoch, offen und reflektiv mitzumachen, ansonsten bringt einem der beste Kurs nichts.
Der Kurs ist keine Garantie für eine Traumstelle mit Traumgehalt. Für mich war er vielmehr eine Bremse im Bewerbungsstress. Aus einem «Ich muss eine Stelle finden» wurde ein «Ich möchte eine Stelle, die zu mir passt». Das klingt banal, ist aber ein riesiger Unterschied – denn er macht das Auftreten im Bewerbungsgespräch authentischer und die Bewerbungsschreiben werden persönlicher.

 

Hier geht es zum Angebot:

 

SAH WorkSkill Hub Zug (PvB)

SAH WorkSkill Hub Zug verbindet Praxiseinsätze, Coaching und Future Skills für Fachkräfte auf Stellensuche und stärkt ihre Chancen im allgemeinen Arbeitsmarkt.

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