Während viele junge Menschen nach der Schule direkt ins Berufsleben starten, musste sich Yordanos Eyob ihr Leben in der Schweiz erst aufbauen. Die junge Eritreerin kam im Dezember 2020 allein hier an. Heute absolviert sie ihre Lehre zur Hotelfachfrau und verbindet Ausbildung, Arbeit und Familienalltag.
Eigentlich ist heute kein Arbeitstag. Im Luzerner Hotel Monopol surrt die Klimaanlage und vertreibt die schwere Sommerhitze. Am nahen Bahnhof treffen Gäste aus aller Welt ein und suchen sich ihren Weg zum Hotel.
«Donnerstags bin ich normalerweise an der Berufsschule in Sursee. Während der Sommerferien arbeite ich aber die ganze Woche im Hotel», sagt Yordanos Eyob in sicherem Deutsch. Dass sich an diesem Nachmittag alles um sie dreht, ist für sie ungewohnt. Dankbar blickt sie zu ihrer Berufsbildnerin Jacqueline Brunner und zur Personalassistentin Katja Westphal, die ebenfalls am Gespräch teilnehmen.
Seit dem Sommer 2025 absolviert die 28‑Jährige ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau. Kein Tag gleicht dem anderen. Mal bereitet sie die Zimmer vor, mal empfängt und bedient sie Gäste im Frühstücksraum oder arbeitet in der Wäscherei. Diese Abwechslung gefällt ihr. «Ich habe schon in Eritrea in einem Hotel gearbeitet.» Mit der Schweizer Hotellerie sei das allerdings kaum vergleichbar, sagt sie. Später absolvierte sie noch eine Ausbildung als Buchhalterin.
Ein Stockwerk höher kontrolliert Yordanos später die frisch gereinigten Zimmer. Sie streicht die Bettdecke glatt, richtet die Kissen aus und wirft einen letzten prüfenden Blick ins Badezimmer, bevor die Gäste das Zimmer beziehen.
Ankunft und Neustart
Mit 22 Jahren kam sie in die Schweiz. Ein Jahr später wurde sie Mutter eines Sohnes. An ihrem Wunsch nach einer beruflichen Zukunft hielt sie dennoch fest. «Ich wusste, dass ich eine Ausbildung machen und vorwärtskommen will.» Bevor dieser Traum Wirklichkeit werden konnte, lernte sie Deutsch. Auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz wurde sie von einer Jobcoachin des SAH Zentralschweiz unterstützt. Gemeinsam suchten sie passende Betriebe und bereiteten Bewerbungen vor. Schliesslich fand Yordanos ihre Lehrstelle beim Hotel Monopol.
«Beim Schnuppern hat uns Yordanos mit ihrer Persönlichkeit und ihrer Arbeitsweise überzeugt», sagt Katja Westphal. «Für uns war klar: Auch als Erwachsene soll sie die Chance auf eine Ausbildung erhalten. Ihre Lebenserfahrung ist eine grosse Stärke. Sie zeigt sich jeden Tag in ihrer Arbeit und im Umgang mit anderen Menschen. » Auch im Team ist Yordanos längst angekommen: «Sie ist immer gut gelaunt, obwohl sie mit Arbeit, Berufsschule und ihrem Sohn eine grosse Belastung trägt», sagt Jacqueline Brunner.
Die Begleitung durch die Jobcoachin erwies sich für das Hotel insbesondere während des Bewerbungsprozesses als wertvolle Unterstützung. Bis heute steht ihre Telefonnummer auf Yordanos’ Personalblatt. Auch heute noch ist die Coachin für Yordanos eine wichtige Ansprechperson, die sie sehr schätzt.
Neues lernen – im Hotel und in der Schule
Besonders gerne arbeitet Yordanos beim Frühstücksservice. Überhaupt schätzt sie den Gästekontakt. Weil das Hotel kein À‑la‑carte‑Restaurant hat, ermöglicht ihr der Lehrbetrieb ein Servicepraktikum in einem Luzerner Restaurant. Auch ein Einblick in eine Grosswäscherei ist Teil ihrer Ausbildung.
Der Feierabend ist für die Lernende selten wirklich Feierabend. Während ihr Sohn tagsüber in der Kita betreut wird, gilt es am Abend, für die Berufsschule zu lernen und gleichzeitig für ihn da zu sein. Besonders das Fach Allgemeinbildung fordert sie. «Kürzlich mussten wir Schweizer Geschichte lernen. Das war schwierig und ich musste mehr lernen als andere.» Praktische Arbeiten und logisch aufgebaute Lerninhalte fallen ihr dagegen leichter.
Der Lehrbetrieb kennt diese Herausforderung und hat deshalb einen Lerntag eingeführt. Einmal pro Monat können die Lernenden während eines halben oder ganzen Arbeitstages lernen und werden dabei von ihrer Ausbildnerin unterstützt. Ob Theorie, praktische Übungen oder Prüfungsvorbereitungen – alles hat Platz.
Viel Anerkennung für Yordanos: Ihr Einsatz und ihre positive Art werden im Lehrbetrieb besonders geschätzt. Dass sich der Einsatz auszahlt, zeigt Yordanos’ Berufsschulzeugnis. Darauf sind sie und der Lehrbetrieb stolz. Auf die Frage, was sie an ihrem bisherigen Weg besonders schätzt, sagt sie: «Wie ich mein Leben mit meinem Sohn und der Ausbildung meistere.»
Auch für den Lehrbetrieb sind die Erfahrungen mit Yordanos durchwegs positiv. «Wir können uns gut vorstellen, später wieder einer Person mit Migrationshintergrund einen Ausbildungsplatz zu geben», sagt Katja Westphal und lächelt Yordanos zu. Eine Chance, die für die Eritreerin weit mehr bedeutet als einen Lehrabschluss. Sie ist ein wichtiger Schritt in ein selbstbestimmtes Leben.
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Integrative Massnahme und nachhaltige Unterstützung beim Erhalt von Arbeitsstellen und Sicherung von Lehrverhältnissen