Der Weg zurück in die Arbeitswelt ist selten einfach – für ältere Menschen ganz besonders. Unterstützt vom SAH Zentralschweiz, ist Andreas Weibel, 62 Jahre, diesen Weg gegangen und hat die Chance für einen Neustart erhalten. Diese zu packen, ist er fest entschlossen.

Zehn Jahre lang arbeitete Andreas Weibel als Techniker und Hauswart im Neubad, dem Luzerner Kultur‑ und Begegnungszentrum. Gemeinsam mit zwei Mitarbeitern sorgte er für die umfassende Vorbereitung der Veranstaltungen, überwachte die Hausordnung und führte Reparaturen durch – eine fordernde Arbeit, die er engagiert ausführte. Veränderungen in der Organisation und interne Probleme belasteten ihn zunehmend. Als sich sein Schlaf stetig verschlechterte, suchte er seinen Hausarzt auf, der ein Burn‑out diagnostizierte und ihn krankschrieb. Der abrupte Ausstieg aus dem Arbeitsleben traf ihn schwer.
«Ich bin ein Bauernkind. Arbeit ist für mich Leben. Schon als Kind und während der Ausbildung zum Schreiner habe ich viel gearbeitet», erzählt er. Doch der gesundheitliche Zusammenbruch zwang ihn zu monatelanger Ruhe und stürzte ihn in eine grosse psychische und körperliche Krise. Fortan verbrachte er einsame Stunden in seiner kleinen Wohnung, verliess sie nur für Arzttermine und Einkäufe – und rauchte viel. Als sein Hausarzt eine zunehmende Kurzatmigkeit feststellte, folgten Untersuchungen im Spital und die Diagnose COPD, eine chronische Lungenerkrankung, die die körperliche Belastbarkeit einschränkt. Mit der Erkrankung attestierte ihm der Arzt eine Arbeitsfähigkeit von sechzig Prozent.
Eine äusserst ungünstige Ausgangslage für die Arbeitssuche, wie er nach fast eineinhalb Jahren Rekonvaleszenz realisieren musste. Über achtzig Bewerbungen verschickte er erfolglos. Hätten verschiedentlich die Qualifikationen gepasst, sei bei einem Grossteil der Bewerbungen sein Alter das grosse Hindernis gewesen, berichtet er ernüchtert.

Beim SAH Zentralschweiz spürte ich sofort eine menschliche Betreuung und echte Unterstützung.

Andreas Weibel ehemaliger Teilnehmer SAH Perspektive Arbeit

Aufbruch und Struktur

Auf der Suche nach Struktur im Alltag und neuer Motivation für seine Bewerbungen bat Andreas Weibel seinen RAV‑Berater um Hilfe. Dieser empfahl ihm den SAH Kurs «Perspektive Arbeit», eine Arbeitsintegrationsmassnahme für Menschen über fünfzig Jahre. Während fünf Wochen entwickelte er in Einzel‑ und Gruppensettings Strategien für den Wiedereinstieg und analysierte die Chancen, die der Arbeitsmarkt ihm noch bot.
«Beim SAH Zentralschweiz spürte ich sofort eine menschliche Betreuung und echte Unterstützung», sagt er dankbar. Die mit dem Kurs gewonnene Tagesstruktur sowie den Austausch mit den anderen Teilnehmenden schätzte er sehr. «Ich bin eine kommunikative Person und habe gerne im Kurs mitgemacht. Dabei habe ich auch versucht, positiv auf die weniger motivierten Teilnehmenden einzuwirken.»
Nach Abschluss des Kurses erhält er weiterhin Unterstützung von seiner Job Coachin, die ihn auf Stellen aufmerksam macht und ihn rund um die Arbeitssuche begleitet. «Die grösste Hilfe für mich ist zu wissen, dass da jemand ist, der mich unterstützt und an mich glaubt», sagt er. Dass diese Hilfe so schnell zu einer Anstellung führen würde, hatte er nicht erwartet.

Chance packen und weiter bewerben

Über einen direkten Kontakt des SAH Zentralschweiz zum IFA, Institut für Arbeitsagogik, Luzern, hat er eine Teilzeitanstellung erhalten. Seit wenigen Wochen kümmert er sich von Montag bis Freitag um die Bereitstellung der Seminar‑ und Meetingräume sowie den Unterhalt der Teeküche.
Nach langer Arbeitslosigkeit und mit gesundheitlichen Einschränkungen tastet er sich zurück ins Berufsleben. Dankbar für diese Anstellung und im Wissen, dass er dieser über das Pensionsalter hinaus nachgehen kann, ist er engagiert gestartet. Er will seine Chance packen. Dass ihn die Arbeit körperlich fordert, stimmt ihn nachdenklich. Vor seiner Lungenerkrankung war er es gewohnt, intensiver und länger zu arbeiten. Aber auch davon lässt sich der Optimist nicht entmutigen und hofft, dass sich sein Körper noch besser an die Arbeit gewöhnen wird.
Gerne würde er nun seine ganze Energie in die Arbeit stecken. Doch er hat die Pflicht, sich für weitere dreissig Stellenprozente zu bewerben. «Die fünf Bewerbungen pro Monat sind für mich eine Qual. Ich möchte mich davon befreien und überlege mir eine Frühpension», sagt Andreas Weibel zum Schluss. Und vielleicht könne er beim IFA dereinst auch etwas mehr arbeiten und kleinere Reparaturen übernehmen. Eine Arbeit, die der versierte Handwerker gerne erledigen würde und die der Arbeitgeber in Aussicht gestellt hat. Seinem jüngeren Ich würde er raten, besser auf die eigene Gesundheit zu achten und nie den Glauben an sich selbst zu verlieren. «Jeder Mensch wird irgendwo gebraucht. Wir müssen nur den richtigen Ort finden», sagt er und verabschiedet sich mit einem herzlichen Dankeschön.

Hier erfahren Sie mehr über das Angebot SAH Perspektive Arbeit.