Deutsch lernen zwischen Paletten, Pausenraum und Personalreglement? Genau das hat Nadine Mathis beim Logistikunternehmen Pistor umgesetzt. Im Gespräch verrät sie, wie solche Kurse entstehen, was sie bewirken – und warum sie oft mehr verändern als nur die Sprachkenntnisse.

Wie konntest du auf die individuellen Bedürfnisse des Unternehmens und der Mitarbeitenden eingehen?

Nach einem Online-Einstufungstest für die Teilnehmenden mit unterschiedlichen Sprachniveaus wurde der Kurs komplett massgeschneidert und ohne starres Lehrbuch durchgeführt. Wir behandelten diverse Pistor-Dokumente intensiv, wie Evakuationspläne oder Personalreglemente. Durch wöchentliches Feedback der Teilnehmenden konnte ich spezifische Themenwünsche direkt integrieren, z. B. zur Verbkonjugation oder Gross-/Kleinschreibung. Praxisnahe Rollenspiele, etwa zum korrekten Krankmelden, waren sehr effektiv. Auch alltagsrelevante Themen zur Integration in der Schweiz, wie Wegbeschreibungen, flossen ein. Am Schluss gab es eine gemeinsame Evaluation mit den Vorgesetzten.

Wie maximierst du den Lernerfolg und motivierst die Teilnehmenden?

Wir setzen bewusst auf spielerische Elemente und interaktive Übungen, denn Spass am Lernen führt zu besseren Ergebnissen. Der Kurs fördert nebst Sprachkenntnissen auch die interne Kommunikation und den Zusammenhalt unter den Mitarbeitenden aus verschiedenen Abteilungen. Dies wirkt sich über den Arbeitskontext hinaus auf die soziale Integration aus. Wir vermitteln eine positive Fehlerkultur, da Fehler wichtige Lernchancen sind. Die spürbare Wertschätzung durch das Unternehmen, inklusive eines herzlichen Empfangs und bereitgestellter Ressourcen, motivierte mich und die Teilnehmenden enorm.

Gab es Momente, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

Sehr viele! Einer sagte am ersten Tag: «Was machen wir hier 13 Mal?» – am Schluss fragte er, ob der Kurs weitergehen könne. Auch kleine Gesten bleiben haften: Ein Logistikleiter brachte mir jeden Freitag den Moderationskoffer ins Kurszimmer.

Was antwortest du einer Firma, die fragt: Lohnt sich so ein Kurs?

Es lohnt sich ganz klar! Die Kosten und der Aufwand für Fehler, die durch mangelnde Sprachkenntnisse entstehen, sind massiv höher, als präventiv in die Weiterbildung zu investieren. Ein Sprachkurs verbessert nicht nur die Arbeitsleistung, sondern auch die Mitarbeiterloyalität, da solche Investitionen als grosse Wertschätzung wahrgenommen werden. Es ist eine nachhaltige Investition mit vielfältigem Nutzen, die die berufliche Sicherheit und die soziale Integration der Mitarbeitenden fördert.

Lesen Sie hier auch den Erfahrungsbericht der Firma Pistor.

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