Supported Employment

Teklay Gerhlase flüchtete aus Eritrea und lebt seit 2013 in der Schweiz. Sechs Monate lang nahm er am Arbeitsintegrationsprogramm des Restaurants Libelle teil. «Ich lernte, nach einer Mise-en-place-Auftragsliste zu arbeiten, für die kalte und warme Küche zu produzieren, in der Abwaschküche alles sauber zu machen,
zu vakuumieren und vieles mehr.» Nach einem halben Jahr erhielt er die Chance auf eine Saisonstelle im Seehotel Kastanienbaum. Er bewährte sich und konnte bald darauf einen Arbeitsvertrag für eine feste Teilzeitstelle als Küchenhilfe unterschreiben. Teklay Gerhlase profitierte vom Supported Employment des Restaurants Libelle. Job Coach Tamara Genoud unterstützte ihn bei der Vertragsunterzeichnung seiner Festanstellung sowie während Einarbeitungs- und Probezeit. Besondere Aufmerksamkeit schenkte sie der betrieblichen Integration: Sie holte regelmässig Feedback von Arbeitnehmer und -geberin, überprüfte und erklärte Lohnabrechnungen und Stundenkontrollen und prüfte das Entwicklungspotenzial.
Teklay Gerhlase gefällt seine Arbeit, «Ich fühle mich ganz und gar in der Schweiz angekommen.»
Seine Arbeitskollegen schätzen ihn als engagierten, begeisterten und liebenswürdigen Menschen. Heute ist er ein wichtiger Bestandteil des Teams, und das nicht nur auf dem Papier.

Teklay Gerhlase, Supported Employment SAH Zentralschweiz

Teklay Gerhlase, Supported Employment SAH Zentralschweiz

Teklay Gerhlase, Supported Employment SAH Zentralschweiz

"Es braucht eine Vertrauensperson"

Viele der Teilnehmenden des Arbeitsintegrationsprogramms des Restaurants Libelle finden eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt. Oft belasten sie jedoch private Probleme wie etwa einzuholende Bewilligungen, unbefriedigende Wohnsituationenoder gar Betreibungen, was eine unbeschwerte Arbeitsleistung unter Umständen negativ beeinflusst und eine intensivere Betreuung erfordert. «Es braucht eine Vertrauensperson, mit der arbeitsspezifische, aber auch persönliche Themen aufgegriffen und sortiert werden können», weiss Tamara Genoud. Sie ist Job Coach im Pilotprojekt Supported Employment.

Das Supported Employment der Libelle zielt darauf ab, dass die Stellensuchenden den für sie optimalen Job finden. Im Vordergrund steht der Aspekt der Nachhaltigkeit, die Zusammenarbeit soll für Arbeitnehmende und -gebende zufriedenstellend und möglichst langjährig sein. Tamara Genoud sichtet und bespricht mit vermittelten Personen zusammen den Arbeitsvertrag, handelt den Mindestlohn aus und stellt sicher, dass sie die Richtlinien des Betriebes verstehen. "Supported Employment bedeutet, dass Teilnehmende über den Stellenantritt hinaus nach Bedarf begleitet werden", erzählt sie. Während dieser Zeit ist der Job Coach Vertrauensperson bei allen Fragen, die die einwandfreie Arbeitsleistung tangieren. So kann es sein, dass Tamara Genoud auch die Mentorinnenrolle bei jobabweichenden Fragen wie beispielsweise Wohnungssuche, Finanzproblemen oder beim Gang zu Ämtern übernimmt. Damit entlastet sie die Arbeitgebenden. Sie weiss: "Solange die Arbeitsleistung stimmt, geben die Arbeitgebenden gerne auch selbst Hilfestellung."
Tamara Genouds Aufwand als Job Coach variiert von Person zu Person stark: Am Anfang steht jeweils ein erstes Abklärungsgespräch, gemeinsam werden Bewerbungsstrategien entwickelt. Sie coacht die Stellensuchenden intensiv, begleitet sie an Vorstellungsgespräche, ist bei Vertragsverhandlungen dabei und ist da, wenn es während der Einarbeitungszeit Fragen gibt oder Probleme auftreten. Sie ist in der Regel auch beim Probezeitgespräch dabei. "Wenn Probleme auftauchen, ist der Austausch intensiver und häufiger. In der Regel bin ich die ersten drei bis sechs Monate nach einem Stellenantritt gefragt."

"Integration erfolgt über Arbeit"

Simone Müller-Staubli ist Direktorin des Seehotels Kastanienbaum und Teil des Managements einer Gruppe von Gastronomiebetrieben und Hotels, die gemeinsame Ressourcen nutzen. Sie ist Arbeitgeberin von Teklay Gerhlase und sechs weiteren Personen, die Job Coach Tamara Genoud derzeit begleitet. "Supported Employent ist ein grosser Vorteil für uns: Wir können uns um unsere Kernaufgabe, die Betreuung von Mitarbeitenden im Job, kümmern und den Rest ausklammern", sagt sie."Bevor  die Libelle Supported Employment anbot, kam es auch schon vor, dass wir für eine Mitarbeiterin, die im B-Bewilligungsverfahren steckte, die nötigen Formulare ausgefüllt haben. Wir waren nachmittageweise damit beschäftigt. Bei solchen Aufgaben sind wir sehr froh um Hilfestellung, denn diese Art von Unterstützung zusätzlich zum Tagesgeschäft sprengt zeitlich oft unsere Kapazitäten."

Simone Müller-Staubli schätzt die gute Zusammenarbeit mit dem Restaurant Libelle. Immer wieder bieten sie oder ihre Kollegen Programm-Teilnehmenden der Libelle die Chance auf eine Festanstellung in einem der Betriebe. "Es ist schwierig, geeignete Mitarbeitende zu finden, daher sind wir froh um die Libelle. Wir setzen die Personen, die das Arbeitsintegrationsprogramm der Libelle durchlaufen haben, vorwiegend als Küchenhilfen oder Zimmermädchen ein." Eine Weiterentwicklung dieser Mitarbeitenden sei grundsätzlich möglich, so Müller-Staubli, es scheitere aber leider oft an den dafür nötigen Sprachkenntnissen. "Integration erfolgt über die Arbeit", da ist sich Simone Müller-Staubli sicher. "Aber es gibt Herausforderungen, die wir als Arbeitgeber nicht lösen können. Uns fehlen Zeit und Ressourcen. Hier ist Supported Employment ein wichtiger Bestandteil für die erfolgreiche sowie langfristige Integration."

Integration und Vernetzung

Das Luzerner Restaurant Libelle ist eine Quartierbeiz und eine professionell geführte soziale Unternehmungdes SAH Zentralschweiz. Erwerbslosen, die im Gastrobereich Fuss fassen möchten, bietet die Libelle eine echte Perspektive an: Sie eignen sich hier in einem Arbeitsintegrationsprogramm Kenntnisse und Fertigkeiten an, die ihnen bei der
künftigen Stellensuche behilflich sind. 2017 startete die Libelle das dreijährige Pilotprojekt Supported Employment, finanziert wird dieses durch die Drosos Stiftung.
 

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